Karstens KMT Tagebuch

29.3.06

Immer rauf und runter

Dabei ging es die Woche so gut, sogar so gut das er am Mo den 27.03. wieder auf die L21 zurückverlegt wurde. Werte waren stabil und er war halbwegs wach. Obwohl er sich weiterhin in seine Welt flüchtete, gab er auf Aufforderung von Arzt richtige Antworten. Doch am Di 28.03. saß ich gerade bei ihm und er gab mir zu verstehen welche Musik er gern hören würde, da bekam er plötzlich aus unerklärlichen Gründen einen Krampfanfall. Ich war geschockt, alarmierte sofort die Ärzte. Danach erbrach er Blut aus dem Magen. Ich war bei ihm bis er Notintubiert wieder auf die F2 gebracht wurde. Es wurde sofort ein CT vom Kopf gemacht und eine Magenspiegelung. Das CT und auch eine spätere Liquoruntersuchung gaben keinerlei Aufschuß für den Krampfanfall. Ich bin nach wie vor der Meinung das es die Medikamentensuppe ist. Im Magen haben sie ein paar Blutungen gestillt. Dieser blutete ja schon immer mal wieder defus, kein Wunder bei der Entzündung die immer noch da ist.

Er liegt jetzt mit weiterhin stabilen Werten noch intubiert auf der Intensivstation. Das verlorene Blut ect. wurde in der Nacht wieder aufgefüllt. Das Narkosemittel wurde heute von 10 auf 3 reduziert, er soll wach werden. Er atmet spontan. Mal sehen!? Wenn nicht heute dann morgen. Ich rufe ständig auf der Intensiv an. Ich denke die hassen mich schon. Heut Abend geht mein Schwiegervater nochmal hin und ich kann leider erst morgen früh reinfahren. Karsten halte durch!

Ich bete jeden Tag, dass er endlich mehr Glück hat und keine Komplikationen mehr bekommt. Aber wie gesagt es ist ein Eiertanz, laut dem Oberdoc. Wir beten und drücken die Daumen also weiter.

Karsten gib nicht auf!
In Liebe Gabi

P.S. Sorry, wenn ich so verspätet reinschreibe, aber mein Internet. . . spinnt!

24.3.06

Zweiter Tag des neuen Erwachens

Heute ist 24.03. und die Nacht hat er gut überstanden. Er schlief ruhig und gleichmäßig. Am Tage habe ich ihn besucht. Er war teilweise orientiert und zeitweise richtig wach. Schlief oft zwischendurch vor Erschöpfung ein. Ist aber für Jemanden der so lange im Koma lag ganz normal. Im Laufe des Tages nahm er etwas Suppe und ein paar Schluck Wasser zu sich. Sonst schlief er viel. Seine Vitalwerte sind weiterhin im Normbereich.

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich für all die lieben und herzlichen Kommentare im Block bedanken. Ich komme selten dazu sie richtig zu lesen. Weil ich, wenn mein Internet mal geht nur meist schnell reinschreibe. Aber heute hab ich zumindestens die letzten gelesen und bin gerühert. Vielen, vielen Dank! Besonders Lydia möchte ich für ihre hübschen Gedichte danken. Ich bin so froh das es Menschen gibt denen andere Schicksale nicht einfach gleichgültig sind. Es gibt mir sehr viel Kraft zu wissen das ich nicht allein bin.

Gebt Karsten weiterhin eure guten Gedanken, denn er braucht sie.
Alles Liebe Gabi

Endlich wach!

Kaum zu glauben aber wahr. Ich habe gestern früh Freudentränen vergossen. Karsten war am 21.03. noch nicht erweckbar. Auch am 22.03. war er verwirrt und seine Atem-Werte waren einfach nicht gut genug. Die Ärzte wußten nicht mehr weiter. Tippten auf eine Meningitis (Hirnhautentzünd.) Oder eine GvH im Gehirn (wohl sehr seltend). Die Ärzte wollten eine Einverständniserklährung für eine Trachealkanüle, da sie meinten das Karsten noch sehr lange Zeit beatmet bleiben würde und der Tubus im Hals nicht so lange drin bleiben könnte. Wegen der Druckgeschwüre ect.. Sie erklährten mir die Vorteile, die ich nicht unbedingt als solche empfand. Nach meiner Meinung würden sie ein Luftröhrenschnitt machen und Karsten würde dann durch ein kleines Loch im Hals atmen. Das wäre für Bakterien ein kürzerer Weg in die Lunge und außerdem wäre der psychische Umstand nicht gut. Da er dann nicht sprechen könnte.

Zu dem wunderte es mich, daß die Ärzte das so schnell machen wollten, da es rutinemäßig erst nach 3 Wochen zum Wohle des Patienten gemacht wird. Karsten war ja erst 12 Tage da.
Die Lage sah nicht gut aus. Dazu wollten die Ärzte die Unterschrift sofort,(Weil sie am 23.03. schon einen Op-Termin hatten) da ich nicht nochmals reinfahren konnte, unterschrieb nach längeren ausführlichen Gesprächen mit allen möglichen Ärzten, Karstens Vater diesen Wisch. Dafür war ich ihm dankbar. Ich war an diesem Tag am Boden zerstört und heulte nur vor mich hin. Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Es sah Hoffnungslos aus.

Aber es kommt ja immer alles anders als man denkt. Am nächsten Morgen nach einer halben Nacht voller schrecklicher Träume, rief ich schon um 4:30 auf der F2 (Intensivstation) an. Als die Schwester mir sagte das er wach geworden war, konnte ich es nicht glauben. Sie war so nett ihm den Telefonhörer ans Ohr zu halten, so konnte ich mit ihm sprechen. Er konnte zwar nicht antworten, so hab ich ihm gut zugeredet und Mut gemacht. Ich war heil froh. Rief sofort bei den Ärzten an, das sie die Op stopen sollten. Der Arzt war trotzdem skeptisch und wollte erst mal weiter sehen. Ich rief meinen Schwiegervater an und erzählte alles. Als ich um ca. 10:00 ins Kh kam, sagte mein Schwiegervater. Es ist vollbracht, der Tubus ist weg! Ich konnte es nicht glaube lief gleich ins Zimmer. Diesmal war der Raum nur schwach beleuchtet. Nicht volle Neonbeleuchtung. Karsten lag ziemlich hochgestellt im Bett und hatte eine Sauerstoffmaske auf der Nase. Der Sauerstoff rauschte wie ein plätscherndes Wasser im Hintergrund. Der Anblick hatte etwas friedliches. Ich war so glücklich.

Die Schwester erklärte das ich erstmal nicht mit ihm sprechen sollte, damit er sich nicht aufregt und zu viel spricht. Es dauert halt lang die Narkose aus dem Kopf zu bekommen. Ich hielt mich an die Anweisung, aber Karsten brubbelte unaufhörlich etwas. Das sei wohl normal. Zwischen zeitlich verstand ich sowas wie, daß er gern ein Glas Apfelschorle oder Orangensaft hätte. Ich war froh. Ich hoffte das er weiterhin so gut atmen würde und seine Vitalwerte stabil bleiben würden. Der erste Tag seines neuen Lebens.

Heute früh am Fr. 24.03. 06 rief ich wieder in der Station an. Alles im grünen Bereich, er hat die Nacht gut überstanden. Ich bete weiter das alles gut geht. Er ist wohl ansprechbar und die Ärzte denken das die hohen Dosen an Kortison zur Genesung im Gehirn beigetragen haben. Schaun wir mal weiter.

Bitte betet und hofft weiter. Ich gebe nicht auf und Karsten schon lange nicht.

Diese Zeilen schreibe ich mit großer Erleichterung.
In Liebe Gabi

21.3.06

Immer noch auf der Intensiv

Leider hatte ich Probleme mit dem Internetzugang. Seit Karsten auf die Intensivstation kam, hat sich viel getan und doch wieder gar nichts. Im Grund ist alles noch gleich. Nur das er stabiler ist. Er wir beatmet (besser er atmet spontan und die Maschine gibt den Sauerstoff und piept wenn was falsch wäre) Weiterhin bekommt er unmengen an Medikamente, Blutwerte weiterhin nicht normal. Leberwerte schlecht. Die Ärzte wissen immer noch nicht warum er so verwirrt ist. Keine klaren Aussagen vom EEG und Liquorpunktion. Sie vermuten eine GvH-Reaktion vom Gehirn. Was auch immer das sein mag, den so richtig viel Erfahrung haben sie nicht damit.

Heute soll Karsten mal wieder wach werden. Also Narkose abgedreht und einfach sehen was wird. Beim letzten Versuch, vorige Woche war seine Atmung zu schnell und seine Werte wurden schlechter. Das wollten sie nicht riskieren. Er ist jung und kann es schaffen!

Ich war heute wieder (wie jeden Tag) bei ihm. Wenn ich ihn so liegen sehe, hab ich immer das Gefühl, das er es schafft. Erst wenn ich wieder zu Hause bin, breche ich weinend zusammen. Aber das hilft ihm nicht weiter. Und eines weiß ich mit Sicherheit, er will leben und hält durch! Das einzige was ich und sein Vater (der jetzt in der Nähe des KH wohnt) tun kann, ist ihm gut zuzureden und den Schwestern gelegentlich auf die Finger zu klopfen. Eine gute Bekannte aus den Gospelchor war selbst mal auf der Intensivstation in Großhadern. Ihr Aussage war wohl sehr treffend. "Was Intensiv, Großhadern!? Das war wie die Vorhölle! Ständig Licht an, nie Ruhe, ständig gackernde laute Schwestern und Pfleger. Null Rücksicht!

Aber ich hoffe Karsten schafft es trotzdem seinen Schlaf und seine Erhohlung zu finden. Er ist ein Kämpfer und ich bin sehr stolz auf ihn! Beten wir das er es schafft und die Viren klein kriegt.

In Liebe Gabi

13.3.06

Das dritte mal auf der Intensivstation

Heute ist Montag der 13.03. und Karsten wurde gestern wieder auf die F2 Intensiv verlegt. Am Donnerstag ging es ihm noch recht gut. Am Freitag war er schon sehr verwirrt und am Samstag war er nicht mehr ansprechbar. Dennoch hat er mich erkannt und wurde ruhiger, als ich mit ihm sprach. Ich hab mich mit der Krankenschwester bemüht sein hohes Fieber mit Wadenwickel in den Griff zu bekommen. (Außer Med.)

Er ist nun wieder intubiert und ich bete das er einen guten Traum hat. Und wir werden die Hoffnung nicht aufgeben, den er kämpft weiter. Wir wünschen uns alle ein Wunder und halten daran fest. Bitte betet weiter!

In Liebe Gabi

4.3.06

Weiter warten!

Heut ist Samstag der 4. März 2006 und Karsten geht es etwas besser als Gestern. Am Donnerstag war er sehr stark verwirrt, aber schon am Freitag hat mich die die zu Rate gezogene Psychologin beruhigt, das dieser Zustand organischer Natur sei und durch die Medikamente herbeigeführt wurde. Somit wird der Zustand sich wieder bessern, ohne Schäden zu hinterlassen. Welch Glück!

Die Ärzte hatten sich nochmals beraten und wollten Karsten nicht noch mehr Medikamente ( für die Psyche) geben, somit haben sie an der Medikamentenschraube gedreht und ein Virenmittel, welches solche Verwirrtheitszustände auslöst, verringert. Prompt konnte man sich heute (04.03.) mit ihm wieder unterhalten. Er wirkte viel ruhiger und wenn es ihm zu viel wird schläft er einfach ein. Recht so! Der Pfleger hat berichtet, das er auch schon wieder in einer Zeitung rumgeblättert und ein wenig gelesen hat. Ich halte die Daumen, das es weiter so geht.

Karsten lass nicht locker, du schaffst es! Denn mit mir drücken viele Menschen die Daumen für Dich. Weiter so!

Deine Gabi

2.3.06

Babyschritte

Heut ist Donnerstag der 2. März. Gestern ging es Karsten schon etwas besser, als zuvor. Seine Werte sind stabil und er gab sich sichtlich Mühe mit dem Krankengymnast. Er saß schon im Sessel und stand schon kurze Zeit vor dem Bett. Er unterhielt sich lange mit mir und machte schon wieder Scherze. Z. B. als die Schwester stolz einen neuen Klostuhl in sein Zimmer schob. "Schaun's mal Hr. Rose, Sie bekommen einen nagelneuen Toilettenstuhl." Er lag im Bett, guckte misstrauisch und murmelte trocken :" Haben Sie den im Ebay ersteigert, der sieht ja so gebraucht aus?" Die Schwester versuchte sich zu rechtfertigen, dass sie diesen Stuhl gerade nagelneu aus der Kiste ausgepackt hätte und er wirklich neu sei, sie merkte nicht, das Karsten sie veräppeln wollte. Ein gutes Zeichen! Zum Abend hin war er etwas verwirrt, welches auf die vielen Medikamente zurückzuführen ist. Aber die Ärzte legen ihr Augenmerk momentan auf den Magen-Darmtrakt und die Vieren, der Kopf scheint in ihren Augen zum Krankheitsbild zu gehören und reparabel zu sein.

Heute war Karsten wieder ein wenig durch den Wind. Es geht halt immer hin und her. Der Chef war jedenfalls zufrieden mit ihm. Er lobte die Werte und meinte man müsse Gedult haben. Es ist wirklich schwer, aber wir müssen alle warten. Auch wenn es mal ein Schrittchen zurück geht. Dann geht es mit Babyschritten weiter, aber auch ein Baby kommt irgendwann mal ans Ziel, . . . besonders wenn es einen festen Willen hat . . .

An dieser Stelle möchte ich nochmals allen Menschen danken die Karstens Block lesen, Comments reinschreiben und für ihn beten oder einfach an ihn denken.

Herzlichen Dank
Gabi