Karstens KMT Tagebuch

26.10.05

Mittwoch, Tag 6, Die Bronchen schmerzen

Als ich Mittwoch in der Visite berichtete, daß meine Bronchen schmerzen wenn ich tief einatme, war die Sorge groß und ein Röntgenbild der Lunge wurde angeordnet. Wegen der Schmerzen in der linken Schulter wünschte ich mir eine weichere Matratze, in der Hoffung, daß derartige Verspannungen dann nicht mehr auftreten. Noch am Vormittag kam ein neues Bett. Die Matratze war sehr weich.
Gleich nach dem Mittagessen polterte es in der Schleuse und zwei vermummte mit einer Art Roboter drängelten sich auf der Suche nach Haube, Mundschutz, Handschuhen und Kittel. Dann kamen sie rein. Es war ein fahrbares Röntengerät. Die Photoplatte wurde einfach ins Bett gelegt, ich obendrauf und dann wurde das Gerät ausgefahren, für die beiden wurde es immer enger im Zimmer. Dann hieß es tief Luft holen, anhalten, fertig.
Am späten Nachmittag kam dann noch mal der Stationsarzt und berichtete von einem Fleck auf dem Röntgenbild. Das könne alles mögliche sein, morgen soll ich dann zum CT für eine Aufnahme der Lunge. Am Abend bekam ich dann zusätzlich noch Fieber und so gab es neben dem üblichen Cocktail noch Mittel gegen Fieber (Bennoron) und Mittel um die Muskeln zu entspannen, sowie Schmerzmittel.

25.10.05

Dienstag, Tag 5, Besuch aus dem Holzhaus

Nachdem ich diese Nacht das Schlafen auf der linken Seite vermied, war das Schlafen also kein Problem. Tagsüber waren die Schmerzen aber um so stärker inzwischen strahlte der Schmerz bis in die Hand. Die Ärztin in der Visite war ebenso erschrocken und versprach den Physiotherapeuten zu holen. Der Physiotherapeut kam und verpaßte mir eine tolle Streichmassage, so daß die Schmerzen für ein paar Stunden gänzlich weg waren. Am Nachmittag kamen dann für mich völlig überraschend zwei Kollegen aus dem Holzhaus. Das Hallo war groß und natürlich war ich sehr gespannt über alle Neuigkeiten in Bezug auf die neue Strasse, den Umzug in den Neubau der einen und den noch völlig offenen Umzug derer, die in letzter Minute nicht mit in den Neubau dürfen. Als Mitbringsel gab es ein paar Hörspiele per MP3 komprimiert auf CD. Leider mußte ich in der Zwischenzeit feststellen, daß die Lautsprecher in meinem Notebook die Wiedergabe eines Hörspiels nur sehr mangelhaft unterstützen. Mal sehen ob es mir gelingt pro Geschichte eine Audio CD zu brennen. Dann wurde es ein richtig netter Abend allerdings ohne Bier und Kartenspiel, aber das wird in der Zukunft nachgeholt.

24.10.05

Montag, Tag 4, Es geht mir gut

Am Montag wachte ich mit Verspannungen in der linken Schulter auf. Ich hatte meinem Vertreter im Büro versprochen eine Vorstandspräsentation gegenzulesen. Natürlich hatte ich noch ein paar Ideen und so hatten wir eine Telefonkonferenz am Vormittag und eine am Nachmittag. Das Ergebnis ist jetzt bei der GF und wir sind gespannt was für Änderungswünsche von da noch kommen. Die Verspannungen waren im laufe des Tages in den Hintergrund getreten.
Auf meine Frage nach einer Massage wurde ich aufgeklärt, daß eine klassische Massage streng verboten ist, da auf Grund des hohen Drucks Gefäße kaputt gehen, so würde es zu Blutergüssen kommen, da ich immer noch sehr wenig Thrombozyten habe.
Am Abend rieb mich die Nachtschwester dann mit Voltaren ein, was sehr angenehm war. Die Verspannung ging vom linken Ohr bis zum unteren Rand der Rippen und zog sich gleichzeitig über die Schulter bis in den Arm.

23.10.05

Sonntag, Die Haare sind ab


Nachdem ich vom Kitzeln meiner Haare in der Nase aufwachte, mußte ich feststellen, daß ich im Vergleich zum Vortag doch einiges an Haaren verloren hatte. Immerhin waren Kopfkissen und Laken über und über mit Haaren übersäht. Nachdem Abtrocknen waren diesmal nicht nur Barthaare im Handtuch, sondern auch einige tausend Kopfhaare, so daß man das Handtuch außer für den Kopf für nicht mehr viel anderes benutzen konnte. Beim Frühstück hatte ich dann eine Hand voll Haare in der Hand nachdem ich mir den Kopf kratzte. Also beschloß ich dem Thema ein Ende zu bereiten und beriet mit der Schwester wann der geeignete Zeitpunkt wäre. Nach kurzer Bedenkzeit kam sie dann mit der Scheermaschine und ich setzte mich im Bad auf einen Hocker und los ging’s. In zwei Schritten vielen die Haare dann bis auf die Kopfhaut. Ich muß sagen ich gefalle mir gut, eine schöne Kopfform und das Lachen kommt noch besser zum Ausdruck.

Der Nachmittag war den verschiedensten Telefonaten gewidmet, es war eben Sonntag. Dabei wurde mehrfach nachgefragt was es mit der Zeitrechnung Tag 0 und Tag 1 etc. auf sich hat. Innerhalb des Zeitplans für die Knochenmarkstransplantation ist der Tag an dem transplantiert wird der Tag 0. Von da ab wird nach vorne also in Richtung Aufnahme rückwärts gezählt. Die Aufnahme fand bei mir z.B. am Tag -15 statt, die Chemo begann am Tag -12. Von der Transplantation ab wird positiv weitergezählt. Heute Sonntag ist z.B. der Tag +3.

22.10.05

Samstag, Die Haare beginnen zu fallen

Nachdem die neuen Zellen anscheinend alle ihren Weg ins Knochenmark gefunden haben, die Leukozyten sind wieder nahe null, geht's mir auch wieder prima. Bei der Morgenhygiene habe ich dann eine Handvoll Barthaare und andere Haare in meinem Handtuch gefunden. Nun geht es also los, die Ärzte hatten das ja bereits angekündigt. Tagsüber viel es aber nicht weiter auf. Am Nachmittag kamen Gabi und die Kinder zu Besuch und brachten eine Kamera mit. Das Vorherbild habe ich diesem Post mal beigelegt. So sehe ich also im Moment aus. Aber das wird sich sicher bald ändern, ich hoffe ich kann dann auch möglichst bald ein weiteres Bild beilegen. Was gab es sonst noch? Den neuen Asterix kann ich bedingt empfehlen. Für Asterix Puristen sicherlich ungewöhnlich die Integration von Außerirdischen, aberlustig war er allemal. Für mich hat er sich gleich doppelt gelohnt, weil zusätzlich zu mir die Kinder noch sage und schreibe eine Stunde still und regungslos am Fenster saßen und Gabi die Ruhe fand mich zu besuchen ohne ständig zu fragen:"Wo sind die Kinder? Ich sehe sie nicht, wer paßt jetzt auf die Tasche auf?" Für die die Gabi kennen, muß ich sicherlich nichts weiter ausführen.
Die Arztvisiten werden jetzt immer kürzer, da es für die Ärzte nichts zu tun gibt, solange ich mir keinen Keim einfange. Hoffen wir also, daß sie sich noch lange langweilen werden.

21.10.05

Freitag, Tag 1

Der Freitag begann normal, vielleicht noch Reste des Fröstelns. Ansonsten war ich eigentlich um 7 Uhr fit. Nach der Morgenhygiene (Duschen etc.) das obligatorische Frühstück mit Fernsehen, um etwas auf andere Gedanken zu kommen.
Danach wieder an die Infusion andocken. Heute Vormittag war mir ein fideler Pfleger aus Franken zugeteilt, der mich viel gelobt hat und noch mal auf die jetzt so wichtige Prophylaxe hingewiesen hat.
Dann begann wieder das Frösteln und leichte Kopfschmerzen. Der Arzt erklärte, daß am Morgen über 100 Leukozyten im Blut gefunden wurden. Ein Zeichen das sich noch einige Zellen im Blut herumtreiben und mich aufwühlen. Normaler Weise haben alle Zellen innerhalb von 24 h den Weg ins Knochenmark gefunden. Sie hatten also noch 12 h Zeit. Ich beschloß mich auf die Seite zu legen und das Frösteln, das leichte Fieber etc. zu verschlafen. Und so verschlief ich den meisten Teil meines Tag 1 was wohl das Beste war. Die Nachmittagsschwester war wieder die etwas Herbe. Sie meinte ich würde meines Tag- Nachtrythmus durcheinander bringen. Und überhaupt wäre 38,2°C noch kein Fieber, das beginnt erst bei 38,5 °C. Für einen Augenblick wollte ich eine Diskussion anfangen, als sie dann erklärte der Pschyrembel kenne gar nicht was sie hier tun, beschloß mich wieder auf die Seite zu drehen. Am Abend ging es mir dann sichtlich besser, das Fieber war weg die Kopfschmerzen auch. Nach einem netten Fernsehabend schlief ich dann übrigens um 23 Uhr süß und selig ein. Die Nacht war nur von Pinkelpausen unterbrochen, was will man mehr.

20.10.05

Donnerstag, Tag 0 der Zweite

Nachdem der Spender ja für den geplanten Tag 0 nicht genügend Zellen produziert hatte, mußte ich ja noch einen Tag warten. Am Morgen hieß es, daß die adulten Stammzellen so gegen 14 Uhr auf die Reise gehen werden. Wahrscheinlich per Bahnkurier und erst spät eintreffen werden. Die Stammzellen wurden per Stammzellapherese gewonnen und werden anschließend wie eine normale Blutkonserve über den Katheter in den Blutkreislauf eingeleitet.
Der Tag verlief ruhig eine Vereinskameradin hat mich gleich nach dem Mittag besucht und die ansonsten lange Zeit des Wartens sehr gut vertrieben. Im nächsten Jahr sind im Verein neue Ämter zu vergeben und so hatten wir einige Planspiele probiert, um möglichst früh mit der Gehirnwäsche bei den unserer Meinung nach geeigneten Kandidaten zu beginnen.
Die beiden Beutel mit den Zellen kamen dann zum Ende des „Untergang“. Nach einigen Vorbereitungen kam die Ärztin dann in der Schlußszene und hing den ersten Beutel mit einer dünnflüssigen blaßroten Flüssigkeit an den Tropf. Die beiden Beutel liefen innerhalb einer Stunde durch. In der Mitte des Zweiten kam dann das versprochene Frösteln und Kopfschmerzen. Diesmal gab es eine zweite Decke und ich schlief danach relativ schnell ein.

19.10.05

Mittwoch, Tag 0

Heute war der geplante Tag 0, d.h. keine besondere Medikation außer dem CyclosporinA aber das gibt es jetzt für mindestens fünf Tage unvermindert und dann reduziert für weitere 25 Tage. Warum geplant? Weil die Klinik des Spenders am Vormittag anrief, der Spender produziert zuwenig Zellen. D.h. er muß noch einen weiteren Tag gemolken oder geerntet werden oder wie man es nennen will.
Wie das funktioniert? In der letzten Woche bekam er ein Medikament, das die Stammzellenproduktion in seinem Knochenmark angeregt hat. Jetzt hängt er an einer Maschine, die das entnommene Blut durch eine Zentrifuge schickt und so die adulten Stammzellen extrahiert. Der Rest fließt dann wieder zurück in den Blutkreislauf des Spenders.
Die Doktorandin, die meine Leberwerte täglich online kontrolliert hat festgestellt, daß meine Leber einen ziemlichen Patscher mitbekommen hat. Allerdings ist sie jetzt für meine Altergruppe auf dem normalen Wert von 24. In ein paar Wochen sollte meine Leber sich wieder erholt haben, so daß ich dann wieder in der Nähe von den fantastischen 45 bin, bei denen ich gestartet bin. So hat sich die lange Alkoholabstinenz tatsächlich löblich bemerkbar gemacht. Mit welchem Medikament die Leber wieder auf Trab gebracht wird muß noch mal erfragen. Ich pflege es dann später an dieser Stelle ein.

Dann bekam ich noch Besuch von meiner lieben Frau samt Kindern und einem langjährigen Geschäftsfreund. Also ein Tag mit vollem Programm, da war gar keine Zeit sentimental über die Verschiebung zu werden.

18.10.05

Dienstag, Ein ernstes Gespräch

Der Dienstag versprach ein ruhiger Tag zu werden, keine Chemo mehr. Verabreicht wurde Cyclosporin A um das Immunsystem weiter in Schach zu halten. Da es ansonsten auch zur Behandlung von Schuppenflechte verwendet wird ist das Medikament auf das ich mich schon lange gefreut habe, da meine Schuppenflechte jetzt nicht mehr mit UV Licht behandelt werden kann, da ich das bis auf weiteres nicht mehr vertrage. Außerdem habe ich das Cyclosporin bisher völlig ohne Nebenwirkungen vertragen.

Die Nachmittagsschwester kannte ich bisher noch nicht. Als sie merkte in welcher Dosierung ich das Ampho-Moranal nehme wurde sie fuchsig. Sie berichtet nur die wenigsten kommen hier ohne große Probleme durch. Prophylaxe wäre das A und O. Eine Infektion in den nächsten Wochen so sicher wie das Amen in der Kirche. Den Mund nur vier Mal am Tag zu spülen reiche nicht aus, das gleiche gilt fürs Giebeln und mein Verbrauch an Ampho-Moranal viel zu gering.
Meine Berichte von teilweise widersprüchlichen Angaben der anderen Pfleger wischt sie vom Tisch. Ich solle zusehen, daß ich alle Übungen mindestens sechs Mal am Tag machen und zwar auch wenn ich Fieber habe, mich Übelkeit und Kopfschmerzen plagen. Gerade dann wäre es um so wichtiger.
Ich beschließe einen Plan zu erstellen, den ich zweistündlich abhake, um ihn so zur Gewohnheit werden zu lassen. Wenn ich den Plan umsetze werde ich allein mit den Prophylaxe Übungen bis zu drei Stunden am Tag beschäftigt sein.

6x 10 Min. Giebeln, das ist die Sache mit dem Rohr
6x 7 Min. Inhalieren
6-8x 5 Min. Spülen
6-8x 2 Min. Ampho-Moranal
15 Min. Intimpflege (Kolbsche Salbe und Kolbsche Crème)

Dann bekam ich am späten Nachmittag noch Besuch von einem lieben Vereinskamerad des MTV, der mich glänzend unterhalten hat.
    

17.10.05

Montag, Das letzte Mal den Antikörper

Die Nacht vom Sonntag zum Montag war bisher die schlechteste, da ich mich vier Mal übergeben mußte, wobei die Meinungen auseinander gehen ob es an den Keksen la, die ich mir spät Abends und noch mal in der Nacht nach dem ersten Erbrechen einverleibt habe. Am Morgen gabs dann was gegen Übelkeit durch die Leitung und seit dem habe ich nicht mehr gespürt, das Endoxan vom Vortag, meine letzte Chemo Einheit, ist jedenfalls nicht berüchtigt für Übelkeit sondern nur für Durchfall, der mich ja schon quasi seit Anfang an begleitet.
Dann gab es gleich danach die letzte Ampulle Antikörper. Ansonsten verlief der Tag ruhig und angenehm. Zwischen vier und fünf begannen dann die Kopfschmerzen des Vortages und wurden wieder unerträglich. Diesmal gab es was richtiges (Dipidolor), zählt zu den Morphinen. Danach war dann bis um 23 Uhr Ruhe, dann gab es die zweite Hälfte und ich habe selig bis zum Morgen geschlafen.

16.10.05

Sonntag und ein ungeplanter Ausflug

Die Nacht von Samstag zu Sonntag war leider eine unruhige Nacht mit vielen Kopfschmerzen und Einschlafproblemen. Irgendwie haben die Mittel nicht richtig gegriffen.
Tagsüber war das dann wieder wie verflogen, nur war ich unwahrscheinlich müde, was sicherlich am Fenistil liegt, das vor dem Antikörper zur Reduzierung der allergischen Reaktionen gegeben wird. Die Meisten kennen es als Tropfen oder Salbe gegen Juckreiz, in der hier verwendeten Dosis macht es sehr müde.

So verging der Vormittag wie im Fluge und am frühen Nachmittag kündigte sich Besuch in Form meiner lieben Frau und Kinder an, die wie immer durch die Balkontür und mit dem Handy mit mir kommunizierten. Sie hatten mir die CD ihres Lieblings Videospiels mitgebracht ich sollte eine Kopie brennen, damit sie nicht ständig mit dem kostbaren Original hantierten, aber zumindest mir ist es mit Nero nicht gelungen den Kopierschutz zu überwinden.

Plötzlich fing es an mich zu frösteln und ich wurde wieder müde. Die Familie, die inzwischen auch Kontakt zu anderen Patienten, die schon Freigang haben, aufgenommen hatte, verabschiedete sich und ich versuchte zu schlafen. Leider fror ich zu stark und die Kopfschmerzen kamen wieder, so daß an Schlaf nicht zu denken war.
Der Arzt entschied zur Sicherheit ein CT von meinem Kopf anfertigen zu lassen, da die Thrombozyten wieder so niedrig waren, daß Blutungen nicht auszuschließen sein. Er vereinbarte einen Termin für 18:00 Uhr. Zuvor bekam ich etwas gegen das Frösteln und die Kopfschmerzen. Der Termin wurde seitens der Radiologen verschoben, was mir ganz recht war, da ich lieber auf dem Zimmer warte als auf dem Gang.
Leider kam es anders und ich wurde dort in eine Abstellkammer (schlecht einsehbarer Untersuchungsraum) unter eine Neon Lampe gestellt. Dort lag ich also. Das Mittel gegen das Frösteln war mal wieder so eine Wunderdroge, während der Infusion durchströmte mich plötzlich ein warmer Strom und wärmte mich. Inzwischen in dem Raum unter meiner Decke und einem zweiten Laken gegen Keime, Der Haube auf dem Kopf, dem Mundschutz eng vor dem Gesicht schwitzte ich Blut und Wasser, dazu brummte der Schädel, aber es kam niemand. Inzwischen wurde ein schwer Verletzter vorbeigeschoben, offensichtlich ein Notfall. Ich wartete. Dann nach einer halben Stunde war ich dran, hüpfte auf die brettharte Liege des CT und fuhr kurz in die Röhre und wieder raus. Hüpfte wieder ins Bett und kam in meine Kammer, mit der Bemerkung der Transport kommt gleich, einen Befund gibt es noch nicht. Dort lag ich nun wieder, das Licht hatte er auf meinen Wunsch aus gemacht, etwas angenehmer für meinen Schädel, aber nun meldete sich meine Blase und zwar deutlich. Eine türkische Frau wurde von Ihrem Söhnen zum CT geschoben der Mann schlenderte 10 m hinter her. Genau wie ich war sie nach 10 min wieder draußen, ich lag immer noch da, schwitzend, Schädelweh und mit drängender Blase. Dann kam noch mal der Mann vom CT warf einen Umschlag auf mein Bett und sagte er sage dem Transport noch mal Bescheid. Nach weiteren 10 min wurde ich unruhig und rief „Hallo, HAllo, HALLO“. Niemand rührte sich. Nach fünf Minuten noch mal „Hallo“ nichts. Nach weiteren fünf Minuten kam der CT Mensch in Motorrad Kluft und sagte:“Sie liegen ja immer noch hier!“, „Ja und ich pinkel hier gleich alles voll“ antwortete ich. „Ich bring Ihnen eine Flasche und ruf noch mal an“. Nach 5-10 Minuten kam dann der Transport. Ich begrüßte ihn mürrisch. Er druckste.
Das Abendbrot ließ ich dann aus, mir war der Appetit vergangen. Der CT war ohne Befund, eigentlich schön aber unter den Umständen. Ich darf an dieser Stelle den Kommentar meines Stationsarztes vom Montag vorwegnehmen:“Das gehört einfach dazu.“
Es gab noch mal Schmerzmittel gegen den Kopfschmerz mit begrenzter Wirkung. Ich probierte Kekse von Gabi in der Hoffnung das die helfen, manchmal bin ich einfach unterzuckert und bekomme Kopfweh. Dann schlief ich ein.

15.10.05

Samstag, Antikörper und Chemotherapie

Nach einer Nacht mit vielen Unterbrechungen, wahrscheinlich weil ich ausgeschlafen war und so meine Kopfschmerzen besser wahrnehmen konnte begann wieder ein schöner Tag ohne Schmerzen. Ein neues Gesicht beim Pflegepersonal. Am Abend kam die neue Chemo. Außerdem war ich drei Tage mit meinem blog im Rückstand und das galt es aufzuholen, schließlich bekomme ich viele positive Rückmeldungen.

In der ersten Chemotherapie sollten unreifen Zellen im Knochenmark und wenn vorhanden im Blut zerstört werden, hierzu wurden die Zytostatika Fludarabin, Cytarabin und Amsacrin eingesetzt. Nun im Anschluß an die Bestrahlung, die das Knochenmark weitgehend zerstört hat kommt noch einmal eine starke Chemotherapie, die die Zerstörung des Knochenmark und die weitere Reduktion des Immunsystems zu Aufgabe hat, hier steht nun Cyclophosphamid (Endoxan) auf dem Plan. Insgesamt habe ich es recht gut vertragen, einzig die Kopfschmerzen, die mich die ganze Nacht plagten. Der eine oder andere kennt das sicherlich von Wetterumstürzen, mir ist es jedenfalls hinlänglich bekannt. Die Schmerzmittel wirkten nur begrenzt man denkt man liegt stundenlang wach und stellt dann fest, daß man insgesamt doch sechs Stunden geschlafen hat. Erschwerend kommt noch das Mittel zum Wasser lassen hinzu (Lasix), da es den schönsten Schlaf stört und dann beginnen die Einschlafprobleme wieder von vorn. Aber muß sein, da die Zytostatika so schnell als möglich den Körper wieder verlassen sollen.

14.10.05

Freitag, Strahlenbehandlung

Nach dem geänderten Plan stand für den Freitag neben der Strahlentherapie nun auch noch der Antikörper mit auf dem Programm. Da die Strahlentherapie erst für 13:00 Uhr auf dem Programm stand, war es ein langer Vormittag. Eine Hautärztin kam und bestätigte was mein Hautarzt bereits gesagt hatte, also zunächst nichts tun.

Der Stationsarzt bereitete mich noch einmal seelisch auf die Bestrahlung vor und ordnete Sitzwagen sprich Rollstuhl an, da mein Hb-Wert schon wieder auf 7,5 gefallen ist und er nicht möchte, daß ich auf dem Weg umkippe und liegen bleibe oder so ähnlich. Das war hart, denn ich hatte mich schon auf den Spaziergang gefreut, endlich die Beine vertreten.

Die Wundermaschine hätte von Jule Verne sein können, nein es stand SIEMENS drauf, aber schon etwas älter. Aber die Leute dort sind immer noch begeistert, weil das Teil deutschlandweit die beste Verfügbarkeit hat und sehr selten ausfällt. „Dieser neumodische Computerkram macht zwar tolle Bilder, fällt aber ständig aus“
Ich kam also auf eine Pritsche am Ende des Raum ca. 6m entfernt von einem Kollos von Teilchenbeschleuniger. An einer Plexiglaswand wurde teils dünne teils dicke Plexiglasschilde aufgehängt. Dann wurde ich ans EKG angeschlossen, da fühlte ich mich gleich zu Hause. Nur meine mitgebrachte Infusion hatten sie vergessen. Dann wurde ich schön warm zugedeckt. Dann fragte eine Dame noch ob ich gern Musik hören wollte ich sagte leider Ja, denn dann kamen die Einschränkungen nur Radio und nur vier Sender. Ich war überrascht so tief unter Erde überhaupt Radioempfang zu haben. Die Musik war gut solange bis die Maschine angeworfen wurde. Dann muß diese radioaktive Strahlung wohl irgendwie stören weil die Qualität merklich schlechter wurde.
Bestrahlt wurde 10min. von links, dann drehen und 10 min. von rechts, dann auf die Seite legen und 40 min. von hinten und dann wieder drehen und noch mal 40 min. von vorn. Zum Ende der Bestrahlung von hinten begann bei mir wieder ein leichter Schüttelfrost, der in der letzten Runde stärker wurde. Die Ärztin, die die Bestrahlung begleitete war leider diesbezüglich völlig unvorbereitet, den Leuten viel nichts besseres ein als zwei weitere Decken auf mich zu legen, so daß mir sehr warm war während ich mich schüttelte, sie fragten immer wieder, da sie wohl über die Kamera sahen, daß um mich herum alles wackelte. Ich erzählte ihnen von den Drogen auf meiner Station aber niemand kam.
Danach wurde für die Heimfahrt von Rollstuhl auf Bett umdisponiert. In meinem Zimmer angekommen ging es schon wieder besser. Ich freute mich bereits auf die Antikörper. Aber der erwartete Schüttelfrost blieb aus, ich war nur unendlich müde und schlief und schlief. Ich verschlief das Mittagessen und zu Abend beließ ich es bei einem Joghurt.
Am Abend rief mich noch mein Chef an. An dem Anteil Müll den ich so erzählt habe konnte man ungefähr ablesen wie viel Medikamente ich intus hatte. Aber es waren lustige Versprecher.

13.10.05

Donnerstag, Der Plan ändert sich

Ich hoffte der dritte Tag Pause wird genauso schön wie der Zweite, schließlich war ich frei von Schmerzen jeglicher Art, ausgeruht und es schien die Sonne. Das Frühstück nahm ich eilig zu mir, da ich um 10 Uhr einen Termin fürs Vorgesprächs beim Strahlenkonzil hatte. Dazu mußte ich mich verkleiden mit OP-Umhang, Gummihandschuhen, Maske und Haube. In diesem Aufzug verließ ich dann die Station und machte mich auf die Suche. Die Strahlenabteilung ist im 3. Untergeschoß. Dort angekommen freute man sich, daß ich pünktlich war und setzte mich erstmal für 20 Min. in den Wartebereich. Meine Augen fingen leicht an zu brennen und ich sehnte mich nach meinem kleinen Zimmer.
Dann kam das Aufklärungsgespräch zur Strahlentherapie. Ich weiß jetzt das 4 Gray ungefähr 4000 Röntgenbildern entspricht und es vom Krankheitsbild abhängt ob 4 Gray oder 12 Gray verabreicht werden, das hatte mir der Stationsarzt auch schon erläutert nur viel kurzweiliger. Man hatte in den 60zigern den Daumen gehoben und landete bei 12 Gray und so blieb es dann für sehr lange Zeit, da es im Prinzip zum gewünschten Erfolg führte, bis man feststellte, das es einen Zusammenhang zwischen der Strahlung, der Chemotherapie und dem was nach der Transplantation kommt gibt. Frei nach dem Motto wird der Patient rückfällig war es zu wenig. Erkrankt er an Graft-versus-Host (GvH) war es zu viel. So kam man dann für ein Krankheitsbild wie meines bei 4 Gray Ganzkörperbestrahlung an. Danach wurde ich dann für 10 Min. in einen zugigen Gang gesetzt, um dann noch ein Bild von der Lunge liegend zu machen, danach ging es dann direkt zu den Physikern. Die erläuterten dann ihre tolle Maschine und das dank der großzügigen Platzverhältnisse die Bestrahlung in einem gemacht werden kann, andere Häuser müßten das in einer Art Patchwork Verfahren machen, da sie den Photonenstrahl nicht weit genug aufspreizen können, um den ganzen Körper abzudecken. Dann wurde auf die unterschiedliche Beschaffenheit des menschlichen Körpers hingewiesen und wie das berücksichtigt wird, nämlich durch simple Plexiglas Platten, die in angemessener Dicke vor die Stellen gehängt werden, an denen es notwendig ist, wie Kopf und Brust.

Etwas frustriert ging ich dann zurück auf meine Station. Das Aufklärungsgespräch, das Vermessen der Physiker als das hätte man in meinem Zimmer in keimarmer Atmosphäre machen können. Das Röntgenbild zusammen mit dem anderen vor einer Woche. Die Antwort auf meinen kühnen Vorschlag war:“Das war schon immer so“

Dann kam die Visite des Stationsarztes. Er war für seine Verhältnisse ziemlich aufgeregt. Man hat bei einer Routine Untersuchung meines Blutes Antikörper gegen das Kaninchen Antigen ATG gefunden und es könne zu Abstoßungsreaktionen kommen, daher wird der Plan geändert und zwar mit sofortiger Wirkung. Anstelle des Kaninchen Antigens ATG gibt es ein künstlich aus dem Genlabor erzeugtes und zwar Campath. Der Vorteil des Campath liegt darin, daß es nur T-Zellen zerstört und sonst nichts. Nebenwirkungen ja kann es auch geben wie Schüttelfrost evtl. sogar bis zum Herzstillstand muß aber nicht und es gibt Gegenmittel. Der Vorteil des ATG ist die lange lange Erfahrung die man damit hat. Allerdings macht das ATG auch noch andere Dinge, die man noch nicht so genau kennt. Klang also ganz vielversprechend das neue Mittel aus dem Genlabor.

Nach dem Mittag ging’s dann los, der Arzt meinte man weiß schon nach 5 Min. ob jemand reagiert oder nicht, die Schwester meinte es dauert 30 Min. Der Arzt ging dann nach 10 Min. denn alles war ruhig. Nach 25 Min. klingelte ich dann weil das Schütteln begann. Man stellte dann zunächst die Zufuhr ab. Das Schütteln wurde so stark, das das ganz Bett schüttelte, dann gab es eine Spritze direkt in den Katheder und nach 0,6 – 1 Sec. war das Schütteln komplett weg. Nach eine Pause wurde die Zufuhr dann wieder gestartet. Ich telefonierte gerade mit einer Tante, alles verlief zunächst wieder Prima und dann kam wieder das Schütteln, dann wieder die Spritze dann die Ruhe. Ich glaube ich schlief dann ein und und habe den Rest des Tages inklusive Abendbrot nicht mehr erlebt.

12.10.05

Mittwoch, 2. Tag Pause

Mein zweiter freier Tag nach dem ersten Chemoblock sollte der Tag mit dem meisten Besuch bisher werden. Neben dem üblichen ein und aus der Pfleger und Pflegerinnen, dem täglichen Besuch einer Doktorandin, die den Einsatz eines mobilen Gerätes zur Messung der Leberfunktion im Umfeld KMT untersucht, kam der Stationsarzt außergewöhnlich früh. Was gab es neues eigentlich nicht viel außer dem Ausbruch meiner Schuppenflechte.
Ich versuchte dann noch meinen Hausarzt zu erreichen, was an einem Mittwoch schier unmöglich ist. Er lies sich auch munter verleugnen, sie wisse nicht mal wo er ist und sie kann ihn nicht mal über ein Handy erreichen, weil er gar keins hat sagte das Vorzimmer – Nachtigall ich hör Dir trapsen! Seine Assistensärztin wollte mich dann auf das dermatologische Konzil abwimmeln, die wissen schon was sie zu tun haben. Dabei wollte ich doch nur einen Befund, damit die Ärzte hier nicht von vorn anfangen und einen Behandlungsvorschlag für die Schuppenflechte bis die Chemo anschlägt. Die Idee meines Hausarztes war nämlich wenn ich erst mal CyclosporinA bekomme verschwindet die Schuppenflechte sowieso und bis dahin machen wir nichts. Nun ist sie aber doch stärker ausgebrochen.

Kurz darauf kam dann Prof. Kolb zum ersten mal mit den beiden Stationsärzten, einer Pflegerin im Schlepptau. Er machte einen sehr netten und umsichtigen Eindruck und ihm gefiel die Schuppenflechte gar nicht – den Sumpf möchte er trockengelegt haben so schnell als möglich. „Können Sie das?“ fragte er die Pflegerin und der eine Stationsarzt antwortete:“ja ja“. Dann fragte er mich noch was ich komisches treibe, daß ich so komische Krankheiten bekomme, es viel uns aber immer noch nichts ein. Die Computerbildschirme an denen ich so gearbeitet habe waren eigentlich alle strahlungsarm.

Durch den Prof angetrieben wollte ich meinen Hautarzt aber doch noch einmal fordern und setzte ein Fax auf mit der Bitte um den Befund und einen Behandlungsvorschlag. Kaum war das Fax weg klingelte das Telefon und siehe da der Hautarzt ist doch erreichbar. Ich bekam was ich brauchte und leitete es hier weiter.

Dann kam der Physiotherapeut. Er begann damit, daß er eigentlich gar keine Zeit hat und ob ich das nicht alles allein machen könnte. Es wäre ja nicht schwer er müßte diese und jene kleine Übung machen. Meine Frage nach einem Merkblatt wie die 10 wichtigsten Übungen verneinte er. Gibt’s in jedem Flugzeug. Ich konnte mir nicht verkneifen ihm zu sagen, daß man kurz anhalten muß sich die Zeit nehmen muß um aufs Fahrrad aufzusteigen. Er versprach mir demnächst einen Entwurf vorbeizubringen.

Am Abend kam ein Bekannter, meine Frau und unser Jüngster. Wir hatten eine nette Unterhaltung und ein schöner Tag ging zu Ende.

11.10.05

Dienstag, 1. Tag Pause

So, die vier Tage Chemotherapie sind ohne allzu große Vorkommnisse überstanden. Heute Morgen hat sich der Hautausschlag, der sich gestern bemerkbar gemacht hat, auf den ganzen Körper ausgebreitet. Er juckt aber immer noch nicht, sieht nur blöd aus. Daraufhin wurde ein Antibiotika abgestellt, mal sehn ob es hilft.
Das liebt der Ingenieur: nur Erfahrung und try and error.

Der tollen Resonanz per Email entnehme ich, daß meine Ergüsse hier tatsächlich gelesen werden. Ich habe mir heute etwas Mühe gegeben Eurem Wissensdurst gerecht zu werden. Allerdings nicht durch viel Schreiben, sondern EDV typisch durch viel kopieren. Auf der rechten Seite habe ich ein paar Links eingepflegt, wo der Interessierte Leser bestimmte Themen vertiefen kann.

Außerdem möchte ich das Gerücht aus dem Weg räumen man dürfe mich nicht besuchen. Alle gesunden Erwachsenen dürfen mich besuchen. Dabei muß an der Schleuse zur Station die Strassenkleidung abgelegt und OP-Kleidung angezogen werden, die Hände desinfiziert werden. Vor der Schleuse zum Zimmer, müssen die Hände nochmals desinfiziert werden. In der Schleuse zum Zimmer gibt es dann Haube, Mundschutz, Handschuhe und einen weiteren OP-Kittel. Derart verkleidet darf man dann in mein Zimmer.

Stören mich die Anrufe und Mails? Natürlich nicht! Gerade an ruhigen Tagen, an denen sich der Körper erholt ist das eine mehr als willkommene Abwechslung und es freut mich immer eine bekannte Stimme zu hören. Die Telefonnummer erfragt Ihr am besten bei Gabi, Jutta, Thomas, Willi oder per Mail.

Für die Interessierten gibt es hier den Verlauf meines Blutbildes in Kurzform und zwar jeweils nur die 6:00 Uhr Werte. Man kann schön sehen wie die Werte für die kurzlebigen Elemnte einbrechen und die, die durch Konserven erhöht werden, immer wieder ansteigen.





BasisRefer.Ber.07.10.08.10.09.10.10.10.11.10.
LeukozytenG/l4-115.82.50.60.470.39
ErythrozytenT/l4.5-6.32.612.582.272.472.77
Hämoglobing/dl14-189.29.07.88.49.2
ThrombozytenG/l150-4404650382315

10.10.05

Montag, 4. und letzter Tag der 1. Chemoserie

Die Nach war ruhig und beschwerdefrei. Die einzigen Störungen kamen von der Blase und von der Nachtschwester die die Augen träufeln mußte. Ein Glück konnten wir beides synchronisieren. Das Blutabnehmen, Blutdruck- und Fiebermessen um fünf ist inzwischen soweit Routine, daß ich es im Halbschlaf über mich ergehen lasse und erst richtig zum Frühstück um 8 Uhr wach werde.

Der Tag wurde dann richtig schön, mir ging es prächtig, keinerlei Beschwerden, einzig ein paar Quaddeln an den Armen, die aber nicht juckten. Die Sonne schien und vor meinem Zimmer haben sich alle Bäume ein wundeschönes buntes Kleid angezogen. Vormittags blockierte ich meine Telefonleitung mit Internet Benutzung. Das Tagebuch sollte gepflegt werden, es gab viele Emails zu beantworten. Am Nachmittag riefen dann viele Freunde und Bekannte an, nachdem die Nachricht meiner KMT nun wohl die Runde machte, so daß ich wunderschön abgelenkt war.

Am Nachmittag gab es noch einmal Blutkonserven um den Hb anzuheben. Die Telefonate gingen bis in den Abend, an dem sich leider auch wieder leichte Kopfschmerzen einstellten. Auch ließ der angekündigte Durchfall nicht länger auf sich warten, wobei er sehr milde ist und einfach nur Arbeit verursacht, da das Thema Körperpflege hier besonders wichtig ist, da wird gewaschen und gecremt, mit sterilen Handschuhen, Desinfektionsmitteln, Kolbschen Pasten und Kolbschen Salben. Ja so kann man sich auch beschäftigen. Die Grenze ist wahrscheinlich erreicht, wenn der Harndruck so groß ist, wenn man am Ende Pflege schon wieder aufs Klo muß und das ganze von vorn los geht. Davon war ich gestern aber locker noch 15 Minuten entfernt.

Dann habe ich mir vom Arzt eine Übersicht über meine Blutwerte geben lassen, wenn es mir gelingt werde ich sie exemplarisch hier reinstellen, da der Einbruch der Leukozyten beindruckend ist und man sehen kann wie mit den Konserven andere Werte hoch gehalten werden.

9.10.05

Sonntag und 3ter Tag der Chemo

Nachdem das Fieber am frühen Morgen auf 38,7  geklettert war wurde dann die Notbremse gezogen. Was folgte waren drei Stunden gesunder Schlaf im Schweißbad, danach war eigentlich alles  vorbei, d.h. das Fieber wieder unten und der Appetit war auch wieder da.

In der Visite kündigte der Arzt dann weitere Maßnahmen an, da mein Hickmann nicht wie gewünscht verheilte, sondern sich leicht entzündet hat und angeschwollen ist, gibt es nun wohl weitere Antibiotika und weitere Blutkonserven.

Den Nachmittag verbrachte ich dann mit Lesen und Hörbuch. Trotzdem das Hörbuch hier Robins Crusoe nicht so anstrengend ist wie das Lesen, schlief ich trotzdem ein und mußte die letzten 2 Kapitel zweimal hören.

Am Abend kam dann der Arzt mit zwei Blutkonserven. Die dritte Portion Chemo des Tages bekam mir dann deutlich besser, so daß ich das Abendprogramm im Fernsehen genießen konnte. Dabei stellte sich heraus, daß auch die Nachtschwester begeisterter Stromberg Fan ist und nach den Augentropfen gar nicht mehr gehen wollte.

8.10.05

Der 3. Tag (2te Chemoanwendung)

Der 3te Tag begann schon früh in der Nacht mit Muskelschmerzen am ganzen Körper. Mit dem Duschen begann ein leichtes Frösteln und meine Temperatur stieg von 36,5 auf 38,3 °C während des Frühstück, überhaupt war das ein mißmutiges Frühstück und ich aß nicht besonders viel. Danach verschwand ich wieder im Bett und schlief bis Mittag.
Zur gleichen Zeit lief wieder das Chemoprogramm wie am Vortag durch. Mittags gab es dann die berühmte Groß Haderner Pizza, auf die ich gerne verzichtet hätte, aber die Bestellung wird wohl nur manchmal gelesen und auch akzeptiert.

Am Nachmittag gab es dann den ersten Lichtblick, meine Familie kam zu Besuch und holte zum einen meine Sachen ab und brachte andere wichtige Dinge wie Zahnpasta, Wecker und Hörbücher. Die Schokolade wurde leider von den Schwestern konfisziert wegen Pilzgefahr. Wegen der Ansteckungsgefahr durften die Kinder und meine hustende Frau nicht auf die Station. Mein Zimmer ist aber im Erdgeschoß und so standen sie vor dem Fenster und Handy sei dank konnten wir uns sogar unterhalten. Fenster und Tür sind ja fest verschlossen. Den Rest des Tages war ich dann wieder ziemlich matt und beschloß zu schlafen.

Am Abend setzten dann wieder Kopfschmerzen begleitet von erhöhter Temperatur ein. Die Nachtschwester kam alle zwei bis drei Stunden entweder zum Augen tröpfeln oder zum Fieber messen. Durchgeschlafen hätte ich eh nicht, da der regelmäßige Toilettenbesuch künstlich herbeigeführt wird und wie gesagt erwünscht ist. So wurde es eine unterbrochene Nacht, mit Schmerzen und ansteigendem Fieber.    

7.10.05

Der 2. Tag - Beginn der Chemo

Die letzte Nacht war unspannend, ich schlief einfach nur durch. Danach begann ein herrlicher Morgen mit ausgiebiger Körperpflege und langem Frühstück. Bis zu dem Augenblick als der Pfleger begann zu der einen Pumpe, die mich mit Salzlösung versorgte, noch zwei weitere hinzuzubauen, Meterlange Schläuche montierte und noch einmal doppelt so viele Flaschen aufhing, dachte ich beinahe ich hätte Urlaub.

Nun also wird es ernst. Bisher lief nur NaCl, aufgelöste Vitamine (ja man kann Obst auch flüssig zu sich nehmen) und Mittel gegen Übelkeit durch die Schläuche. Ab jetzt gibt es auch Gift. Begonnen wird mit Gift gegen die unreifen Zellen, die sich bei mir in diesem Jahr stark vermehrt hatten.

Die Chemo am Vormittag verlief eigentlich vollkommen unspektakulär. Nach dem Mittagessen wurde dann die Bilanzierung das erste Mal ausgewertet und ich bekam eine Rüge, weil ich zuwenig Urin abgeliefert hatte. Ich probiere es jetzt mit Tee anstelle Mineralwasser und hoffe der treibt wie gewünscht.
Mit dem Schichtwechsel kam dann die nächste Chemo und weitere Technik. Inzwischen laufen drei Pumpen und versorgen mich mit Flüssigkeit, Gerinnungshemmern sowie dem eigentlichem Medikament. Außerdem wurde ein Monitor für meine Herzfrequenz montiert, so daß ich jetzt zwei Schläuche und ein dickes Kabel mit mir rumschleppe.
Rein subjektiv war ich am Nachmittag ein kleines wenig matt. Im Moment, so gegen Acht, geht es aber wieder.
Bei meiner Nachmittagslektüre wurde mir dann klar warum die Urinabgabe so wichtig ist. Die Chemikalien lagern sich sehr leicht in Harnleitern etc. ab und dagegen hilft nur spülen.
Zum Ende der Nachmittagsschicht war es dann aber zu spät, ich habe heute 1,7 Kilo zugenommen und so wurde kurzerhand ein weiteres Medikament in die Kaskade gehängt und man wünschte mir frohes "piseln" während der ganzen Nacht. Es wird also eine unterbrochene Nacht für einen guten Zweck.

Die erwähnte Lektüre ist übrigens vom Leiter der Transplantationseinheit und sehr gut geschrieben, nur schade daß der Arzt der Ambulanz der Meinung war ich brauche so etwas nicht und trotz Nachfrage das Heft zurückgehalten hat. Na ja es ist ja noch nicht zu spät.

Nachdem Ende der zweiten Flasche begannen dann leichte Kopfschmerzen.
Die dritte Flasche lief dann von 21 Uhr bis 23 Uhr durch und verstärkte die Kopfschmerzen nochmals.    

6.10.05

Der 1. Tag

Der erste Tag begann pünktlich um 0:30 Uhr mit hellem Neonlicht und
der scharfen Frage:"Wie heißen Sie, wann sind Sie geboren?" Meine Antwort kam nach zwei Stunden Tiefschlaf nicht ganz so zackig. Dann wurde gleich bleibend militärisch fortgefahren, meine Augen waren immer noch geschlossen:"Stimmt es das Sie Karsten Rose heißen und am 18.02.1969 geboren sind?" Durch meine schmalen Augenschlitze erkannte ich eine große männliche Person mit zwei Blutkonserven in den Händen. Zunächst hatte ich ihn nicht ernst genommen.
Ich erinnert mich wohl, daß in der Klinik alle immer von Blutkonserven sprachen und Verwunderung aufkam wenn ich berichtete noch niemals eine erhalten zu haben.
Auf mein Nachfragen erfuhr ich dann, daß mein Blutbild vom Abend nochmals deutlich schlechter war als vom Morgen des Vortags. Der diensthabende Arzt hatte schlichtweg Angst es könnte bis zum Morgen noch schlechter werden und die Chirurgen die OP des Hickmann verweigern. Das wäre ein leichter Gau, da bis zur Transplantation ein ausgefeilter Plan einzuhalten ist, der nicht gestört werden will. Als er merkte, dass ich die Unterweisung für Bluttransfusionen noch nicht unterschrieben hatte fing er an zu drängeln und wurde fast unhöflich.

Nachdem ich ihm erklärte was es für mich bedeutet wenn ich etwas unterschreiben soll, nämlich das Verständnis von dem was darüber steht, ging er erstmal wieder. Nach einer Weile kam er dann wieder erläuterte alles in Ruhe, beantwortete meine Fragen so gut er konnte, so daß ich in der Lage war das Risiko für meinen Teil einzuschätzen. Nach meiner Unterschrift floß dann das Blut aus der Konserve und ich durfte bis zum Morgen durchschlafen. Der Morgen begann dann wie angekündigt mit dem ersten Sonnenstrahl. Blutabnehmen, Fiebermessen, Blutdruckmessen etc. Anschließend noch ein weiteres Nickerchen und dann um 7:45 auf zum OP.
Dorthin ging es im Bett in voller Verkleidung, extra Decke, Haarnetz und Mundschutz. Beim Schrittmacher-OP angekommen verlief dann alles normal, man wurde erwartet, die OP-Schwestern erklärten ununterbrochen was auf mich im Detail zukommt und was Sie gerade so treiben während ich auf dem Tisch lag und sie alles vorbereiteten.
Die Ärztin geizte nicht an Narkose Mittel, so daß die Spritzen unter der Haut das letzte waren was wirklich weh tat. Danach spürte ich nur noch ein Drücken und Schieben und hörte wie sie über das noch zu jugendliche Bindegewebe fluchte.
Im Anschluß wurde noch mal ein Röntenbild zur Kontrolle angefertigt und dann ging es zurück auf die Station. Ich bin gespannt ob ich jemals verstehen werde warum ich keine alte Zeitschrift oderein Buch mit ins Zimmer nehmen durfte, das Bett, das quer durch das ganze Krankenhaus gefahren wurde aber kein Problem darstellt.
Anschließend gab es seitens der Schwester eine Unterweisung in Körperhygiene mit Fokus auf Schleimhäute. Dann kam der Pfleger mit für meine Verhältnisse Unmengen an Medikamenten (versch. Antibiotika, Magenmittel, Schmerzmittel) rein profilaktisch.
Am Nachmittag gab es dann eine weitere Unterweisung in Prophylaxe bei der es endlich mehr Hintergrundinformationen gab, warum, welche Gefahren lauern und nicht nur wie.

Das Essen ist geschmacklich ganz gut nur eben keine Erwachsenen Portionen, allerdings kann man verhandeln und ich hoffe bald wieder richtig satt zu werden.
Um diesen Artikel zu veröffentlichen muß das Internet natürlich gehen, auch hier gab es einige Hürden wie merkwürdig schmale Telefondosen, in die der normale TAE Stecker zwar fast reingeht aber eben nur fast und damit war für mich eine Beschäftigung gefunden.

Am Abend trudelten dann die Anrufe der Freunde und Bekannten ein, für die ich mich noch mal ganz herzlich bedanken möchte.        

5.10.05

Aufnahme

An der Schleuse angekommen lief das übliche Szenario ab, wie man es von Neuanstellungen in Firmen und anderen Institutionen kennt. Die Krankenschwester war völlig überrascht und unvorbereitet. Die folgenden Schritte waren dann holprig und etwas durcheinander. Was darf mit ins Zimmer, muß ich mich an der Hauptanmeldung anmelden oder gibt es die Formulare auf der Station, all das war unklar. Die wesentlichen Dinge waren jedoch schon fertig und bereit. Das Zimmer war hergerichtet, der Arzt hatte meine Akte bereits angelesen. Interessant auch die Interpretation der Vorschriften für das Kleiderwechseln um die Schleuse.

Spannend war dann das Thema "Wahlärzliche Unterbringung" oder so ähnlich. Da sich der Stationsarzt beim besten willen nicht vorstellen konnte welchen Unterschied das auf der Station für Knochenmarkstransplantation machen sollte, habe ich darauf verzichtet und bin gespannt ob das Thema noch mal vom Oberarzt angesprochen wird. Genauso verhält es sich mit dem Zimmer. In der zentralen Aufnahme hieß es ich werde im 2-Bet Zimmer mit Vorhangtrennung zum Nachbarn untergebracht wenn ich nichts anderes ankreuze. Auf der Station gibt es allein aus Gründen der Hygiene und Keimarmut nur Einzelzimmer.

Im Anschluss wurde dann ein Blutbild gemacht und über die OP am nächsten Tag gesprochen. Der Arzt war wie auch alle Pfleger und Pflegerinnen freundlich, hatte ausreichend Zeit und sprach verständlich. Für allgemeine Überraschung sorgte meine Vergangenheit bezüglich des Krankheitsbildes. Normaler Weise haben die Patienten wohl eine lange Vorgeschichte und kennen viele Dinge wie Hickman-Katheter und Chemotherapien bereits. All das ist für mich noch neu und wie immer will ich die Dinge verstehen, die um mich herum ablaufen.    

4.10.05

Verabschiedung

Nachdem die Vorbereitungen für die Vertretung und Änderungen in der Organisation abgeschlossen waren und der Termin für die Aufnahme feststand haben wir die Mitarbeiter und Kollegen informiert.
Die Rückantworten und Reaktionen waren unerwartet zahlreich und mitfühlend. Von allen Seiten wurde ich bestärkt, es wurden Hilfsangebote für mich und die Familie gemacht. Viele suchten das persönliche Gespräch. Einige waren unsicher ob dem was mir bevorsteht und wie alles ausgeht. Viele waren neugierig was es für eine Krankheit ist und wie die Knochenmarks Transplantation (KMT) abläuft.

An meinem letzten Arbeitstag habe ich die erste Genesungskarte vom Betriebsrat im Briefkasten gefunden. Die Verabschiedung in der Familie war wie erwartet, bei meiner Frau herzzerreißend. Der große Sohn (neun Jahre) war verständnisvoll und akribisch und hatte wohl eine Ahnung was zwei Monate Trennung bedeuten werden. Der Kleine (6 Jahre) war wie immer kurz angebunden und hatte wichtigeres im Kopf, wie z.B. die Lösung des Kapitels zwei der Episode 2 seines neuen Star Wars Video Spiels.

Die letzte vertraute Person war dann der Taxifahrer, der mich sonst zum Flughafen oder Bahnhof bringt. Auch er war sichtlich berührt und nutzte die halbstündige Fahrt alle Details zu erfragen und hatte natürlich auch etwas zu erzählen. Denn auch er hatte sich schon mal für eine Bekannte typisieren lassen.    

2.10.05

1. Oktoberfest Drachenboot Turnier

An diesem Wochenende haben wir vom Kanu-Regatta-Verein das 1. Oktoberfest Drachenboot Turnier veranstaltet. Insgesamt haben sich 36 Teams gemeldet, gestartet wurde über 200m und 500m. Da die Drachenboote immer noch ziemlich teuer sind hatten wir nur vier Stück, die fast immer gleichzeitig im Einsatz waren. Dazu lief fetzige Musik, es wurde gegrillt und Oktoberfest Bier gezapft. Technisch hat es an nichts gefehlt. Die OMEGA Zielkamera war zwar nicht immer nötig aber bei zwei Rennen wurde es verdammt eng. Einmal 7 Tausendstel und einmal 2 Hundertstel Sekunden Unterschied. Trotz schlechtem Wetter war die Regattastrecke in Oberschleißheim wieder eine tolle Location.