Karstens KMT Tagebuch

11.5.06

Er hat vom Leben losgelassen!

Noch am 10.05.2006 bin ich nochmals abend ins Krankenhaus gefahren. Sein Vater war bei ihm. Seine Situation hatte sich seit früh am Morgen verschlechtert. Und die Ärzte sagten das es wohl diese Nacht sein würde. Ich verabschiedete mich unter Tränen von ihm. Er hat so gelitten all die Monate. So gekämpft! Kurz nachdem sein Vater den Raum verlies, konnte Karsten loslassen und verstarb um 23.55 am 10.05.06.

Eine tiefe Traurigkeit begleitet mich auf Schritt und Tritt, egal was ich tu ich seh ihn in jedem Stein, in jeder Blume. Er ist mir so nah und doch so fern. Ich wünsche ihm Liebe und Geborgenheit wo immer er sich aufhält. Ich weiß das die Zeit für uns noch sehr schwer wird, aber wir werden es schaffen. Ich habe liebe Freunde die mir helfen und nun auch einige im Internet. Ich danke Euch sehr für Eure Anteilnahme an Karstens und meinem Schicksal.

Aber bei allen medizinischen Bemühungen hat Gott immer das letzte Wort! Möge Gott ihn schützen!

Ich werde dieses Tagebuch nun schließen! (Nur ab und zu mal reinschauen um die Comments zu lesen)

In ewiger Liebe Gabi und die Kinder

10.5.06

Ich bete weiter!

Ich werde nicht aufgeben und ich weiß das er es auch nicht tut. Die Situation ist schlechter geworden, die Pilze in der Lunge reagieren nicht mehr so auf die Medikamente wie sie eigentlich sollten. Sie wurden auch im Blut nachgewiesen. Der Arzt machte mir heut wenig Hoffnung. Sein neues Knochenmark produziert wohl auch nicht mehr die nötigen Leukozyten. Er ist weiterhin intubiert.

Er liegt da, so friedlich und so schön. Ich liebe ihn und wünsche mir nichts sehnlicher, als das er wieder gesund wird und mit uns wieder zu Hause leben kann. Ich wünsche mir ein Wunder aus ganzem Herzen!

Jedesmal wenn ich bei ihm bin, versuche ich meinen Schmerz zu verbergen, damit er Hoffnung und Zuversicht spürt. Aber es ist so schwer.

Ich weiß das ich stark sein muß, aber es fällt so schwer.
Meine Kinder helfen mir sehr, nicht immer nur zu weinen. Und auch die Comments und Gedanken Anderer, zeigen mir das ich nicht allein bin. Danke!

In Liebe Gabi und die Kinder

7.5.06

Wieder intubiert

Die Nacht war schrecklich, mehrmals hat die Intensivstation angerufen. Karsten wurde intubiert und Gastroskopiert. Am späten Abend noch eine Angioskopie (Gefäßdarstellung) gemacht. Die Ärzte wollten so eventl. Blutung im Darm stoppen. Hat aber ein hohes Risiko, evtl. nachträgliche Darm-Op. Erstmal haben sie in dieser Richtung nichts machen können. Dann teilweise in den Darm geschaut. Heute wird nochmals beraten was sie noch für Möglichkeiten haben. Karstens Darm blutet defus und leider heftiger als als es je der Fall war. Seine Vitalwerte leiden darunter und die Intensivleute sind bemüht das wieder in den Griff zu bekommen. Das Einzige was die Ärzte wohl momentan tun können ist, seine Thrombozyten aufzufüllen und einigermassen hoch zu halten. Es kann sein, das sie sich gegen weitere Eingriffe entscheiden, da dies zu diesem Zeitpunkt seiner Gesamtsituation nicht ratsam wäre. Mal sehen!

Aber ich weiß das er nicht aufgibt und weiterkämpft! Und ich kämpfe mit ihm!
Lieber Gott lass ein Wunder geschehen!
In Liebe Gabi und die Kinder


P.S. Bitte betet alle weiter für Ihn!

6.5.06

Plötzlicher Rückschritt!

In der Nacht wurde ich um 3.00 von der Station angerufen. Ich schlief so fest und habe es nicht gehört. Am Morgen rief ich sofort an. Karsten wurde gestern Nachmittag der Hickman-Katheter gezogen. Da viele Keime im Blut gefunden wurden. Und der "Hickman" schon lange in Verdacht steht, evtl. auch das Fieber zu verursachen. Er bekam neue Zugänge. Irgendwann am Abend oder in der Nacht bekam er dann Kreislaufprobleme (Der Blutduck rutschte ab). Er blutete stark aus dem Darm. Hat viel Blut verloren. Seine Eltern sind jetzt bei ihm. Ich fahre später hin, da er momentan auf der Intensivstation coloskopiert wird. Ich hoffe sie können die Blutungen stillen. Er bekommt viel Blutkonserven. Er ist zur Zeit wohl ansprechbar, nicht intubiert.

Ich bete das alles gut verläuft. Lieber Gott hilf ihm!!!

In Liebe Gabi und die Kinder

5.5.06

Oft sehr müde

Die letzten Tage konnte ich nicht ins Blogg schreiben, da mein Internet wieder mal nicht ging. Diesmal wars die Leitung.

Karsten ging es zwischenzeitlich mal schlechter. Hat viel geschlafen und kaum gegessen. Die Cortisonsache hat leider nicht den erhofften Erfolg in Sachen Entzündung und Leber gebracht. Dazu wurde auch noch ein Pilz in der Lunge festgestellt. Diese Pilzmittel muß die Leber jetzt auch noch verkraften. Heute wird der Bauch, Milz Leber ect. sonografiert. Er klagte heute über Bauchschmerzen. Ansonsten war er besser drauf, als die letzten Tage. Er wollte sogar kurzzeitig mal Radio hören. Er ist klar ansprechbar, aber nuschelt oft. Trotzdem hat er einen guten Eindruck auf mich gemacht. Also weiterhin Kopf hoch und durch!

Alles Liebe Gabi

30.4.06

Klarstellung!

Erstmal geht es Karsten den Umständen entsprechend gut. Wenn man von gut reden kann. Seine Monitorwerte und Blutwerte haben sich seit Gestern nicht wesentlich verändert. Er ißt etwas und trinkt etwas. Meist verschläft er den Tag. Aber er ist klar, wenn man mit ihm redet. Für seine schwere Erkrankung ist das schon ziemlich gut. Ich hoffe das die Cortisontherapie anschlägt. Der Magen-Darm-Trakt scheint sich sichtlich ( an Hand der Ausscheidungsprodukte) verbessert zu haben. Ich hoffe das es weiter so aufwärts geht.

Noch ein Wort in eigner Sache!
Mir wurde heute zugetragen, das ich wohl einigen Leuten mit meinen Einträgen in Karstens Tagebuch, auf die Füße getreten bin. Naja, wenn man in fremden oder bekannten Tagebüchern liest, darf man sich nicht wundern, wenn dort Dinge stehen die einem nicht gefallen. Auch wenn es öffentlich gemacht wurde. Dieses Buch hatte nie vor allen Leuten zu gefallen.

Mein Ehemann Karsten wollte nicht nur eine Beschäftigung im Krankenzimmer haben, sondern damit auch anderen Betroffenen zeigen, wie so etwas aussehen könnte. Was auf keinen Fall heißt, das jede KMT so verläuft. Völliger Blödsinn, wer so denkt! Jeder Mensch ist individuell verschieden und bei jedem verläuft die Krankheit eben anders. Zumal auch nicht alle Patienten an der gleichen Grunderkrankung (spricht Leukämieart) erkrankt sind. Karsten hat halt viele seltene Komplikationen bekommen, darum sind die Dinge eben anders gekommen als erwartet. Dabei ist er leider viermal auf der Intensivstation gelandet.

Wer davon nie selbst betroffen war oder ist, kann sich nicht im geringsten vorstellen, durch welche Hölle ich persönlich gegangen bin. Da verliert man zeitweise den Bezug zur Realität. Die Welt wird so unwirklich, wenn einem eine Ärztin auf der Intensivstation so nebenbei erzählt, das das eigentlich Alles nichts bringt und irgendwas von "Austherapieren" faselt. Die Schwestern mich schon mit herunterhängendem Kopf und Mitleidsaugen begrüßen, weil sie denken der kommt hier sowieso nicht mehr weg. Und man denkt es gibt nur einen wirklichen Menschen in dieser unwirklichen lauten Maschinenwelt. Die wie eine Offenbarung einem die Hand aus dem Dunkel entgegenstreckt. Eine "einfache" Putzfrau auf der Intensivstation, die einfach nur ein paar Worte sprach, um mich zu trösten:"Nicht weinen Mädchen, ich habe hier schon Wunder gesehen!" Diese Frau kennt meinen Mann nicht, aber betet für ihn und für viele Andere. Gott hab Dank für solche Menschen!

Damit will ich keinensfalls die Arbeit der Ärzte und des Pflegepersonals herabwürdigen. Ohne ihre Hilfe wäre mein Mann nicht mehr am Leben. Sowie durch die hervorragende Arbeit der Ärzte, Schwestern und Pfleger auf der KMT-Station L21. Vor allem der wirklich sehr guten Leitung des Ganzen. Dies will ich hier ganz intensiv betonen. Mein Mann hat sich für die KMT entschieden, weil er leben will. Es war die einzige mögliche Therapie, die eine Heilung dieser heimtückischen Krankheit verspricht. Er will seine Kinder aufwachsen sehen. Aber ein Krankenhaus mit Ärzten und Schwestern, können auch nur das Leisten, wozu Sie im Stande sind. Sie können keine Wunder vollbringen. Somit können Sie keine Garantien geben. Das kann eben kein menschliches Wesen, sonst wären wir nicht menschlich.

Es gibt keinen Ort der Welt an dem mein Mann jetzt besser aufgehoben wäre, als in Großhadern auf auf der KMT-Station. Karsten hat den Ärzten von Anfang an vertraut und tut es noch immer.

Karsten kam von der Intensivstation runter, weil er leben will! Und dieser Wille ist entscheidend, er trägt zur Heilung bei. Und wenn die Ärzte ab und zu ratlos sind, dann nur weil Sie an Grenzen stoßen und daraus lernen müssen. Bis jetzt haben sie das immer gut gemeistert und das werden Sie auch weiterhin tun.

Auch wenn mich manche unglückliche Ereignisse und Umstände zu einigen unbedachten Äusserungen in diesem Tagebuch veranlasst haben, bitte ich die Betroffenen um Verständnis und um Entschuldigung.

Ich hoffe das dieses Tagebuch weiterhin so großen Anklang findet, besonders bei Menschen die sich in ähnlichen Situationen befinden. Den Krankheit bedeutet nicht das Ende, es ist ein Weg!

Es wird immer Menschen geben, die mit bestimmten Dingen nicht einverstanden sind. Wie zum Beispiel der Einblick in eine persönliche Krankengeschichte. Aber wie das so mit Tagebüchern ist, man muß sie ja nicht lesen!!!

Allen Anderen danke ich für ihre lieben und unterstützenden Comments. Die mir sehr über die schweren Zeiten geholfen haben und es immer noch tun. Danke!


Nie Aufgeben!
Gabi

29.4.06

Gar nicht mal so schlecht.

In der letzten Woche gab es manche Höhen und Tiefen. Momentan ist es ganz gut. Ich habe Karsten vor einer (in meinen Augen) und zu diesem Zeitpunkt unnötigen Leberbiopsie, bewahrt. Jetzt nehmen die Ärzte einfach mal an, das sich die GvH in der Leber befindet. Was sehr wahrscheinlich ist. Aber am liebsten hätten sie natürlich darin rumgestochert und somit evtl. mehr Schaden angerichtet. Er hat viel zu niedrige Thrombozytenwerte. Jetzt bekommt er erst mal kurze Zeit hochdosiertes Cortison (Steroide) damit die Leberwerte wieder besser werden. Mal sehen!

Sonst geht es immer etwas besser, im Vergleich zu den letzten 2 Wochen. Auch wenn mal ein schlechter Tag dazwischen liegt, es wird auch wieder besser. Daran glaube ich ganz fest!

Liebe Grüße Gabi